Stromverbrauch messen mit KNX & Loxone

Wer sich für ein Smart Home entscheidet, will früher oder später mehr als nur Licht und Heizung steuern – nämlich wissen, wohin der Strom im Haus eigentlich fließt. Die gute Nachricht: Mit KNX und Loxone lässt sich der Stromverbrauch auf ganz unterschiedliche Weise erfassen, vom einzelnen Verbraucher bis zum kompletten Gebäude. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob Sie privat bauen, sanieren oder ein gewerbliches Objekt betreiben. Wir ordnen die gängigen Ansätze für Sie ein.

Auf einen Blick

  • Stromverbrauch lässt sich auf drei Ebenen erfassen: einzelne Verbraucher, Stromkreise und Gesamtgebäude
  • Im KNX-Umfeld übernehmen das Schaltaktoren mit Strommessung oder Wirkleistungsmessung (inzwischen von fast allen Herstellern verfügbar) oder dedizierte KNX-Energiezähler
  • Bei Loxone stehen mit dem Tree Energiezähler (1- und 3-phasig, MID-zertifiziert) und der Loxone Smart Socket herstellereigene Lösungen zur Verfügung
  • Für den offiziellen Zählerstand gibt es Schnittstellen zum eHz (elektronischer Haushaltszähler), etwa über Zählerinterfaces oder Optokopf-Lesegeräte
  • Im professionellen/gewerblichen Umfeldkommen häufig Modbus-Zählerwie von Janitza, Siemens, etc. zum Einsatz – wegen hoher Genauigkeit und Eignung für größere Anlagen
  • Im DIY-/Nachrüst-Bereich lassen sich Shelly, Tasmotae oder sonstige Geräte unkompliziert per LAN oder WLAN einbinden, allerdings mit Einschränkungen bei Datenhoheit und Systemintegration
  • Die beste Lösung ist häufig eine Kombination: Gesamtverbrauch zentral erfassen, einzelne Großverbraucher gezielt dazu messen

Warum Stromverbrauch überhaupt messen?

Der Wunsch nach Transparenz beim Stromverbrauch hat handfeste Gründe: Wer weiß, welcher Verbraucher wie viel Energie zieht, kann gezielt sparen, Fehlfunktionen frühzeitig erkennen (z. B. eine Wärmepumpe, die plötzlich mehr Strom zieht als üblich) und den Eigenverbrauch einer PV-Anlage optimieren. Gerade in Kombination mit einer Wallbox oder einem Batteriespeicher wird eine genaue Verbrauchsmessung zur Grundlage für sinnvolle Automatisierungen – etwa das Laden des E-Autos bevorzugt mit überschüssigem PV-Strom.

Anders als bei cloudbasierten Steckdosen-Lösungen bleiben die Messdaten bei einem KNX- oder Loxone-System im eigenen Haus. Das ist nicht nur ein Datenschutz-, sondern auch ein Zuverlässigkeitsvorteil – die Auswertung funktioniert unabhängig von Internetverbindung oder Herstellerserver.

Variante 1: Strommessung direkt im KNX-System

Der klassische Weg im KNX-Umfeld führt über Schaltaktoren mit integrierter Strom- oder Wirkleistungsmessung. Diese Aktoren übernehmen ohnehin das Schalten von Stromkreisen (Steckdosen, Beleuchtungsgruppen, Geräte) und liefern nebenbei den Verbrauchswert direkt auf den Bus. Verbreitete Hersteller sind unter anderem:

MDT (z. B. AZI-Serie) – Schaltaktoren mit Wirkleistungsmessung, verbreitet in Neubauprojekten
ABB, Gira, Hager, Siemens etc. – bieten vergleichbare Schaltaktoren mit Strommessfunktion in ihren jeweiligen KNX-Produktlinien an

Vorteil: Die Messung ist ohne zusätzliche Komponenten möglich, da der Aktor ohnehin verbaut wird. Ideal, um einzelne Stromkreise oder Verbrauchergruppen gezielt zu überwachen – zum Beispiel um zu erkennen, ob ein Gerät noch im Standby läuft oder eine Pumpe unerwartet Dauerbetrieb zeigt.

Grenze: Für den Gesamtverbrauch des Hauses reicht das allein nicht aus, da nicht jeder Stromkreis über einen messenden Aktor läuft. Wer das genaue Gesamtbild braucht, kombiniert das mit einem eigenen Zähler.

Für die zentrale Erfassung des Gesamtverbrauchs bieten sich dedizierte KNX-Energiezähler an, etwa von Lingg & Janke. Diese Zähler sitzen direkt im Zählerschrank, messen mit hoher Genauigkeit über alle Phasen und stellen die Werte klassisch als KNX-Kommunikationsobjekte zur Verfügung – inklusive Zusatzwerten wie Spannung, Leistungsfaktor oder Netzfrequenz, je nach Modell.

MDT KNX-Aktor mit Wirkleistungsmessung

Variante 2: Stromverbrauch messen mit Loxone

Wer auf Loxone als Automatisierungsebene setzt, hat mit den herstellereigenen Tree-Komponenten eine einfache Möglichkeit zur Anbindung:

  • Loxone Tree Energiezähler (1-phasig) – für die Verbrauchsmessung einzelner Stromkreise oder Verbrauchergruppen, z. B. in Privathaushalten
  • Loxone Tree Energiezähler (3-phasig) – MID-zertifiziert, für den Gesamtverbrauch größerer Installationen oder gewerblicher Objekte, etwa direkt am Hausanschluss oder an der Wallbox
  • Loxone Smart Socket – eine steuerbare Steckdose mit integrierter Verbrauchsmessung, praktisch für einzelne Geräte, die nachträglich überwacht oder als „Standby-Killer“ automatisch abgeschaltet werden sollen

Der Vorteil bei Loxone: Die Tree-Zähler werden direkt über den Miniserver eingebunden, ohne dass zusätzliche Gateways nötig sind, und lassen sich unmittelbar für Auswertungen, Statistiken oder Automatisierungen (z. B. PV-Überschuss-Ladung) nutzen. Die Smart Socket eignet sich besonders für die nachträgliche Kontrolle einzelner Verbraucher, ohne in die Elektroinstallation eingreifen zu müssen.

Loxone HEMS Energieflussmonitor

Variante 3: Anbindung des offiziellen Stromzählers (eHz)

Neben der Verbrauchsmessung im Haus selbst ist häufig auch der offizielle Stromzähler des Netzbetreibers interessant – etwa um den tatsächlich vom Versorger abgerechneten Gesamtverbrauch mit den eigenen Messwerten abzugleichen. Moderne elektronische Haushaltszähler (eHz) verfügen über eine optische Schnittstelle, über die sich die Zählerstände auslesen lassen.

Für die Integration in KNX oder Loxone kommen dabei typischerweise Schnittstellen bzw. Lesegeräte zum Einsatz, die den Impuls oder die Datentelegramme des eHz erfassen und ins jeweilige System übersetzen. Das ist besonders dann interessant, wenn kein zusätzlicher separater Zähler verbaut werden soll oder darf – etwa bei nachträglicher Integration in ein bestehendes Haus.

eHz von EMH

Variante 4: Professionelles Umfeld – Modbus-Zähler

In gewerblichen Objekten, größeren Mehrfamilienhäusern oder bei besonders hohen Anforderungen an Messgenauigkeit und Skalierbarkeit kommen häufig Modbus-Zähler zum Einsatz, etwa von Janitza, Siemens etc.. Diese Zähler sind für den professionellen Einsatz konzipiert, bieten umfangreiche Messwerte (Wirk-, Blind- und Scheinleistung, Oberschwingungen, Schieflast u. v. m.) und lassen sich über eine Modbus-Schnittstelle sauber in ein Gebäudemanagementsystem einbinden – unabhängig davon, ob dahinter KNX oder Loxone steht.

Für Facility Manager und größere gewerbliche Objekte ist das oft die wirtschaftlichste Lösung, da ein Modbus-Zähler in der Regel mehrere hunderte einzelner Aktor-Messkanäle ersetzen kann und die Genauigkeit für ein professionelles Energiemonitoring oder eine Unterzählung im Mietverhältnis ausreicht.

Janitza UMG 801: modularer Netzanalysator

Variante 5: DIY-Ergänzung mit Shelly & Co.

Für die schnelle, kostengünstige Nachrüstung einzelner Verbraucher – etwa in Bestandsgebäuden ohne KNX-Verkabelung oder für eine erste Kontrolle einzelner Großgeräte – greifen viele Selbstbauer zu Shelly, Tasmota & Co. Die WLAN-basierten Zwischenstecker oder Unterputz-Module messen den Verbrauch angeschlossener Geräte und lassen sich mit etwas technischem Zusatzaufwand auch in bestehende KNX- oder Loxone-Systeme einbinden.

in DIY-Projekten beliebt: der Shelly Pro 3EM

Wichtig zu wissen: Shelly-Geräte sind primär für den DIY-Einsatz konzipiert. Sie bieten eine einfache Möglichkeit, punktuell Verbraucher zu überwachen, erreichen aber weder die Messgenauigkeit noch die Systemtiefe einer fest integrierten KNX- oder Loxone-Lösung. Für ein professionelles Energiemanagement oder eine belastbare Gesamtauswertung ist Shelly daher eher als Ergänzung, nicht als Basis zu sehen.

Welche Lösung passt zu welchem Projekt?

Projekt Typisches Szenario Geeignete Lösung
Privater Neubau (KNX) Einzelne Stromkreise + Gesamtverbrauch Schaltaktoren mit Strommessung + KNX-Energiezähler (z. B. Lingg & Janke)
Privater Neubau (Loxone) Einzelne Verbraucher + Gesamtverbrauch Loxone Tree Energiezähler (1-/3-phasig) + Smart Socket
Sanierung / Nachrüstung Offizieller Zählerstand ohne Zusatzzähler eHz-Schnittstelle
Gewerbe / Facility Management Hohe Genauigkeit, viele Messpunkte, Skalierbarkeit Modbus-Zähler (z. B. Janitza)
Punktuelle Nachrüstung / Budget-Lösung Einzelnes Gerät schnell überwachen Shelly

In der Praxis zeigt sich häufig, dass eine Kombination aus mehreren Ansätzen sinnvoll ist: der Gesamtverbrauch wird zentral über einen Zähler erfasst (Loxone Tree, KNX-Zähler oder Modbus), während einzelne relevante Großverbraucher – Wärmepumpe, Wallbox, Kühl-/Gefrierschrank – zusätzlich über Aktoren oder Smart Sockets gezielt überwacht werden.

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Seit 1990 planen und programmieren wir Gebäudetechnik in Ellgau bei Augsburg, vom Einfamilienhaus bis zur Produktionshalle. Sagen Sie uns kurz, was ansteht, alles Weitere klären wir am Telefon oder vor Ort.

Fazit: Die passende Messmethode hängt vom Projekt ab

Ob KNX-Schaltaktor, Loxone Tree Zähler, Modbus-Lösung oder Shelly als schnelle Ergänzung – für nahezu jedes Bauvorhaben gibt es eine passende Möglichkeit, den Stromverbrauch zuverlässig zu erfassen. Entscheidend ist, die Anforderungen des jeweiligen Projekts realistisch einzuschätzen: Reicht eine grobe Übersicht oder wird eine geeichte, abrechnungsfähige Messung benötigt? Soll nur ein einzelnes Gerät überwacht werden oder das ganze Gebäude? Wir beraten Sie gerne, welche Kombination für Ihr Projekt – privat oder gewerblich – die sinnvollste ist.

Häufig gestellte Fragen und Antworten

Kann ich mit KNX oder Loxone den Stromverbrauch meines gesamten Hauses messen?

Ja. Entweder kann man den elektronischen Haushaltszähler mit iener passenden Schnisstelle auslesen. Ist dies nicht möglich, eignet sich ein zentraler Energiezähler wie der Loxone Tree Energiezähler (3-phasig) oder ein KNX-Energiezähler, der direkt im Zählerschrank verbaut werden und den Gesamtverbrauch erfassen.

Ein Schaltaktor mit Strommessung schaltet in erster Linie einen Stromkreis und liefert die Messwerte als Zusatzfunktion. Ein dedizierter Energiezähler ist ausschließlich für die präzise Verbrauchsmessung konzipiert und bietet in der Regel eine höhere Genauigkeit.

In den meisten privaten Neubauprojekten reichen KNX- oder Loxone-eigene Zähler völlig aus. Modbus-Zähler wie von Janitza spielen ihre Stärken vor allem bei größeren, gewerblichen Objekten mit vielen Messpunkten aus.

Grundsätzlich ja, mit entsprechendem technischem Zusatzaufwand. Für eine dauerhaft zuverlässige und genaue Lösung empfehlen wir jedoch, wo möglich auf fest integrierte KNX- oder Loxone-Komponenten zu setzen.

Nur wenn die Messwerte für eine offizielle Abrechnung genutzt werden sollen, etwa bei der Umlage von Nebenkosten in einem Mehrfamilienhaus. Für die reine Eigenkontrolle und Optimierung im privaten Umfeld ist ein geeichter (bzw. MID-zertifizierter) Zähler nicht zwingend erforderlich, aber empfehlenswert für belastbare Werte.

Michael Oefele

Geschäftsführung

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